TÜV

Heiliges Blechle, Gustav ist inzwischen schon 31 Jahre alt! Nun reisen wir mal zeitlich ins idyllische Jahr 1991: Abgasnorm? Was ist das?!? Merkt Ihr schon unsere neuste Sorge? Sollte sich die Politik eines Tages entschließen, die Neuzulassung von Fahrzeugen unterhalb einer gegebenen Emissionsklasse zu untersagen, hätten wir ein Problem. Also, nichts wie ran, bevor es die Grünen riechen können.

Der große Tag für Gustavs (vielleicht auch eher Rico´s) erste harte Prüfung in unseren Händen, war 04.04.2022. Da soll er einem freundlicher Mitarbeiter vom TÜV vorgestellt werden, der hoffentlich sein: Go gibt. Puh, an was man dann alles denken muss:
Blaulichter abgeklemmt und abgedeckt. Check. Außenstaukästen als seitlichen Unterfahrschutz montiert. Check. Eine Koch-, Sitz- und eine Schlafgelegenheit herstellen. Check. Wenn es nur so schnell voran gegangen wäre, wie getippt…
Die Frontblitzer waren zum Glück ein Klacks. Tricky wurde es dann mit den Blaulichter auf dem Dach. Damit wir auch jeden noch so versteckten Winkel von Gustav kennen lernen, mußte dafür der Himmel im Fahrerhaus ausgebaut werden. Die Bilder dazu folgen in einem späteren Beitrag, wenn es an die Umbauten dort geht.

Zusammen mit unserem jüngsten in der Familie, Tristan; der hart für seine Kost und Logie hier arbeiten muß; konnten wir an einem schönen, warmen Tag die Staukästen außen anbringen. Sieht er damit nicht schick aus?

Zugegeben, die Mülltonnen stören die Optik ein wenig. Aber Männer haben es ja nicht so mit Feinheiten und Rico war, wie man ihn eben kennt, schrecklich aufgeregt und stolz. Aber das darf man bei dem Werk auch sein.
Die Kästen sind eine Maßanfertigung aus dem Hause Edelstahlhaus GmbH. Sie bestehen aus 3mm feinstem Aluminium und hinterließen Rico schlaflose Nächte. Halten sie größeren Belastungen auch wirklich stand? Aber Rico hat ja zum Glück manchmal gute Ideen und sie mit 25mm Aluminium- Vierkantrohr längs verstärkt. Die Radkästen werden später noch mit Blech ausgekleidet werden. Aber für den TÜV reicht es erstmal so.

Im Wohnraum wurde auf die Schnelle eine Arbeitsplatte für die Küche gesägt und ein Induktions-Kochfeld darauf verschraubt. Spartanischer wäre nur noch ein Campinggaskocher mit Saugnäpfen gewesen. Spaß bei Seite, die Idee hat viel Zeit gespart und es geht ja nur um die Lizenz zum Fahren. Für unsere 5 Sterne Küche brauchen wir viel mehr Zeit. Ganz viel Zeit. Schließlich muß Frau sich daran auch wohl fühlen. Riecht Ihr schon das nächste Problem?

Plan ist bis jetzt noch, das Kochfeld durch ein 4-Flammen Gasherd zu ersetzt und der Backofen wird wahrscheinlich ein freistehender Airfryer.

Die Sitz- und Schlafgelegenheiten waren schon mal grob fertig. Natürlich weit entfernt von ergonomisch, gemütlich und komfortabel, geschweige denn benutzbar, aber gut genug für den Herrn vom TÜV.

Ricos Arbeitseifer war mal wieder auf Höhe der Stratosphäre und die Vorbereitungen somit schneller erledigt, als wir gedacht hatten, oder ihm recht war und somit wurde fleißig, fleißig an anderen Stellen weiter getüftelt.
Das Podest war nun auf der Tagesordnung. Wird alles so passen wie vermessen und geschnitten? Da waren sie wieder: die schlaflosen Nächte und Hufscharen von Ricos Arbeitswahn.

Also Orientierungspunkt für alle anderen Teile des Unterbaus fand zuerst der massive Klotz für den Tischfuss seine Position. Danach haben wir die Quer- und Längsstreben mit dem Boden und den Sitzbänken verschraubt. Irgendwie muss sich Rico bei der Herstellung des Klotzes etwas vermessen haben, denn er ist zu groß. Was Freud wohl dazu gesagt hätte? Innovatives arbeiten folgte daraufhin. Das liegt Rico ja am meisten. Also mussten alle anderen Teile etwas zurecht gestutzt werden. Wir hätten auch den dicken Klotz in Form bringen können. Aber das wäre sehr viel mehr Aufwand gewesen.
Danach haben wir die Deckel angepasst und auf den Unterseiten mit Leisten versehen damit sie nicht verrutschen können.

Weil aber die Maße nun auch nicht mehr passten, waren die Deckel für den mittleren Teil zu schmal. Das nächste Drama bahnte sich an. Somit musste für diese Deckel wieder Holz gesägt und gestrichen werden. Unsere Nachbarn mögen Rico und die Säge sehr.
Nun aber: Passt, sitzt, wackelt und hat Luft.

Wer dachte die Sache mit dem TÜV wäre nur ein kleiner Ausflug, kennt unser Spezialbaby Gustav nicht.
Aber eins nach dem anderen. Von Benny bekamen wir wieder die Überführungskennzeichen und am Montag Vormittag durfte Gustav mal wieder Autobahnluft schnuppern. 2,5 Stunden dröhnte er stolz in Richtung Giengen. Der Durchgang zum Fahrerhaus ist noch immer nicht geschlossen und so macht er noch ziemlichen Krach während der Fahrt. Aber für Rico war das Musik in den Ohren und besser konnte eine Woche doch nicht beginnen.
Fotoshooting beim TÜV fiel leider aus. Die Aufregung war zu groß. Technische Abnahme und die AU bestand Gustav mit Bravour. Anders verhielt es sich jedoch bei den bürokratischen Fragen. Der TÜV konnte die Fahrgestellnummer nirgends in der Datenbank finden. Also konnten die Papiere noch nicht endgültig für eine Zulassung fertig gestellt werden.
Wo liegt das Problem? Gustav ist bei Mercedes-Benz als 1225 vom Band gelaufen. In der Schweiz wurde er dann zum 1428AF umgebaut. Da Feuerwehrfahrzeuge in der Schweiz lediglich als Arbeitsmaschinen gelten, gab es nie eine Straßenzulassung als Fahrzeug, wie wir sie in Deutschland kennen. Was war das Leben doch 1991 einfach.
Inzwischen haben wir unzählige Telefonate geführt, Emails geschrieben und das Internet nach Dokumenten durchforstet. Aktuell scheint es aber, als stünden wir kurz vor der Erteilung der deutschen Straßenzulassung. Eine Doktorarbeit wäre wirklich leichter zu erreichen.

Während der Fahrt zum TÜV hatte sich eine Schublade in der Küche selbständig gemacht. Gustav gibt zu verstehen, das ist eure nächste Aufgabe.
Was macht man an einem verregneten Tag? Auf der Couch liegen, ein Buch lesen und Kakao trinken? Nicht wer so ein Projekt vor der Türe stehen hat. Im Keller warten schon die Fronten für die Schubladen der Küche und die Halterungen sind auch schon daran geschraubt. Könnte also fix gehen. Natürlich haben wir uns sehr genau an die Maße des Herstellers gehalten. Ergebnis: Sie passten nicht. Komisch, komisch. Nun gibt es dafür zwei mögliche Gründe: 1. Der Hersteller hat sich verrechnet oder 2. Rico hatte bei der Bestellung falsche Angaben gemacht. Welche Möglichkeit ist wahrscheinlicher?! Frau sagt besser nix.
Nach vielem hin- und her messen und einigen Zügen mit dem Handhobel und liebevoll gefluchten Wörtern die leise vor sich hingesagt wurden, die in keinem Duden zu finden sind, haben wir es aber hinbekommen. Die Fronten sitzen und die Schubladen laufen wie ein heißes Messer durch Butter.

Und bevor nun wieder Kommentare bzgl. der Farben kommen… Wartet erstmal ab bis es fertig ist.

Eine dunklere Arbeitsplatte und ein klassischer Gasherd werden das ganze noch abrunden. Aber alles zu seiner Zeit und wir werden natürlich davon berichten.

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